Zwischen Licht und Dunkelheit

Manchmal kommt es mir so vor, als sie die Welt schwarz/weiß. Gut und Böse, Dissipativität und Konservativität. Doch sie ist es nicht, zwischen dem Schwarz und dem Weiß, gibt es das Grau. Ein Bereich, in dem sich die Meisten von uns befinden und ständig manipuliert werden, sich dem Schwarz zu nähern, oder dem Weiß. Wir lassen uns viel zu sehr von der Welt um uns herum beeinflussen – von der Technologie, Politik, Ansichten und den Medien. Mal ganz ehrlich … wer von uns hat wirklich noch zu 100% seine eigene Meinung und fällt aus der Masse heraus, fließt nicht mit dem Strom?

Ich sitze hier vor meinem Laptop, schaue nach draußen auf den grauen Himmel und stelle mir genau diese Frage: Fließe ich mit dem Strom? Oder mache ich mein eigenes Ding? Es ist ein Zwiespalt, der mir keine klare Antwort darauf gibt. Zum einen will ich definitiv mein eigenes Ding machen. Ich will meine Bücher nicht brav nach allen Regeln der Literaturwelt schreiben. Ich will sie so schreiben, wie ich sie mir vorstelle, was auch das Layout angeht. Na und? Dann gebe ich halt einen Einzug an einer Stelle, an der es andere Autoren nicht wagen würden, da es ja ein „No Go“ ist. Ich setze meine Absätze so, wie ich sie mir vorstelle, wie ich mir meine Geschichten vorstelle. Denn zu allererste kommt bei mir der Inhalt. Und das Layout gestalte ich am Ende so, wie ich der Meinung bin, das meine Geschichte am besten zu lesen ist. Außerdem möchte ich meine Handschrift hinterlassen, ich möchte nicht das meine Bücher wie alle anderen sind. Doch dann, gibt es da diese Welt um mich herum, die versucht mich zu beeinflussen, damit ja niemand einen Nachteil erfährt, wenn andere einen Vorteil für sich sehen. Und natürlich will ich meine Bücher auch verkaufen, weswegen ich mir im Klaren bin, nicht zu weit von der Norm abzuweichen. Also doch eher mit dem Strom fließen? Es sieht ganz danach aus. Vor vier Wochen habe ich mein erstes Buch veröffentlicht, doch leider wurde ich darauf hingewiesen, das es viele Fehler enthält, welcher Art auch immer. Ich habe es mir noch einmal vorgenommen, und tatsächlich. Die Kritik war gerechtfertigt. Leider legte niemand mehr seinen Fokus auf den Inhalt. Tja, und jetzt habe ich einen Verkaufsstopp angeordnet und gehe jeden Satz der 500 Seiten noch einmal durch. Wenn wir damit irgendwann fertig sind, gibt es eine Neuauflage, die hoffentlich den Zuspruch von Vielen bekommt.  Aber ich sehe das Ganze auch positiv – Daraus kann ich nur lernen, und es beim nächsten Buch besser machen, welches ich schon nachbearbeite. Ein Roman über transidentität, Liebe, Freundschaft und dem Kampf am Leben zu bleiben. Emotional, gesellschaftskritisch, tiefgründig und aufklärend. Es erscheint im Frühjahr, wahrscheinlich zeitgleich mit der Überarbeitung von „Times & Stars 1“. Diese Sache zeigt mir wieder wie schwer es ist, gegen den Strom zu schwimmen. Etwas, was ich als Transfrau eigentlich sowieso schon mache. Ich entspreche nicht der Norm der Gesellschaft. Ich gehöre zu einer Minderheit und bin somit unerwünscht. Das klingt hart, aber genauso ist es. Selbst in unserer angeblich so aufgeklärten und fortschrittlichen Gesellschaft. Daher habe ich Angst davor, wenn Parteien wie die AfD plötzlich eines Tages unser Land regieren. Das zwanzigste Jahrhundert war wahrscheinlich das grausamste, welches die Menschheit je erlebt hat. Aber wenn wir nicht aufpassen, wird das einundzwanzigste noch schlimmer.

Ich habe hier viele Monate keinen Beitrag geschrieben. Jetzt tue ich es und sehe zurück, und muss feststellen, das es das heftigste Jahr meines Lebens war. Ich bin zum ersten Mal in eine feste Beziehung gekommen, und ich meine wirklich fest. Mit Rebecca habe ich einen Menschen gefunden, die mich so akzeptiert und liebt, wie ich bin. Sie ist, genau wie ich, auch transident, hat dieselbe Blutgruppe und eine ähnliche Vergangenheit wie ich. Wir verstehen uns so gut, das es einfach passen muss. Sogar den ersten Teil unserer geschlechtsangleichenden Operation, hatten wir beide im letzten Sommer. Den zweiten Teil haben wir im Februar sogar am selben Tag, in derselben Klinik, bei derselben Chirurgin. Als Ehepaar, denn wir haben vor vier Wochen geheiratet.

2017 hatte viele Höhen und Tiefen für mich. Zu der Entwicklungen bezüglich meiner Frau, ist es mir gesundheitlich nicht so gut ergangen. Die Operation ist sehr gut verlaufen, wie auch die Genesung. Leider ist im Sommer mein jahrelang ruhendes Rheuma wieder ausgebrochen und mittlerweile auch noch einmal ärztlich bestätigt. Dazu bekam ich die Diagnose „Bipolare Störung“, weswegen ich seit Monaten mit verschiedenen Medikamenten experimentiere. Ein Zustand, weswegen ich immer noch im Krankenstand bin, und bisher meine Umschulung, die ich zur Op ausgesetzt habe, noch nicht wieder fortsetzten konnte. Die Depressionen wurden mehr, genau wie die manischen Phasen. Etwas was zu Beginn von pharmazeutischen Therapien leider der Fall ist. Damit habe ich schwer zu kämpfen und mich bisher nicht in der Lage gesehen, ins Berufsleben zurückzukehren. Ich hoffe das sich das endlich bald ändert. Der Fehlstart meines Buches machte es auch nicht gerade leichter. Trotzdem habe ich mich riesig gefreut, mein eigenes Buch endlich in den Händen zu halten. Ob mit oder ohne Fehler.

Zusammengenommen muss ich leider sagen das ich zur Zeit kaum die Kraft habe, um gegen den Strom zu schwimmen. Und ich kann nur jedem raten, der oder dem es genauso geht, erst einmal mitzuschwimmen, sich seine Gedanken und Kräfte zu sammeln und aufzubauen, um dann wieder seinen eigenen Überzeugungen zu folgen. Mit diesen Gedanken schließe ich das Jahr 2017 ab und schaue auf die nächste Station: den letzten Teil der GaOp, (hoffentlich) gefolgt vom Wiedereinstieg ins Berufsleben.

Auf das 2018 etwas ruhiger wird.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Create a website or blog at WordPress.com

Nach oben ↑