Star Trek Discovery – auseinandergenommen

Da ich eine absolute Trekkie bin und nunmehr die ersten Folgen der neuen Star Trek Serie „Discovery“ zu sehen waren und sind, möchte ich hier einmal klar machen wo diese neue Serie so steht und was ich persönlich von ihr halte.

ACHTUNG: SPOILERWARNUNG!

Den Pilotfilm, der aus zwei Folgen besteht, kann man sich anschauen … muss aber nicht unbedingt. Denn was hier in zwei Folgen steckt, steckt bei anderen Serien in einer. Er zeigt im Grunde nur wie es zum Krieg mit den Klingonen kommt, welcher die Serie weiter begleiten soll, und wie sich die Macher das Design sowie das Setting vorgestellt haben. Denn mit der USS Discovery hat der Pilot nichts zu tun. Die einzige Verbindung ist der weibliche Commander Michael Burnham, die hier noch auf der USS Shenzhou dient und später ungewollt auf die Discovery wechselt. Ansonsten gibt es den Captain der Shenzhou, Phillipa Giorgiou, die mit Michelle Yeoh besetzt irgendwie fehl am Platz wirkt. Außer Lt Commander Saru, der ebenfalls mit auf die Discovery wechselt, gibt es sonst nur Randfiguren die zwar ihr bestes geben und mit ihren Aufgaben auch eine Star Trek Atmosphäre schaffen, aber leider wurden mit ihnen willkürlich neue Aliens ausgedacht die man vorher noch nie gesehen hat. Und genau das ist meiner Meinung nach auch das Hauptproblem welches die Serie hat: Zwar wurde im Vorfeld immer wieder betont das diese sich wieder in der alten originalen Zeitlinie befindet, und nicht in der Kelvin Zeitlinie der drei neuen Kinofilme, doch wurde bisher in vielen Punkten darauf geschissen. Einige Beispiele:

In allen Star Trek Serien, egal in welchem Jahrhundert sie angesiedelt sind, hatten die Brücken der Schiffe einen Monitor als großes Sichtfeld nach draußen. Warum haben hier die Schiffe ein großes Fenster wie in den aktuellen Kinofilmen? Man kann sich darüber streiten ob ein Fenster nicht tatsächlich mehr Sinn macht … Tatsache ist, das es das bisher nicht gab, und daran sollten sich die Macher auch halten. Die Weltraum-Action wurde auch eher nach den Kinofilmen angepasst, was ich aber nicht so tragisch finde. Doch gibt es auf den Schiffen hier Technologien, die es eigentlich erst später im 24. Jahrhundert bei NEXT GENERATION, DEEP SPACE NINE und VOYAGER gibt. Wie die Oberfläche der Computerterminals und Operating Stations – ein Touchfeld. Gut, den Fehler hat man auch schon bei Star Trek Enterprise gemacht, die im 22. Jahrhunder spielt. Aber dort gibt es wenigstens (auch) noch richtige Knöpfe und Hebel. Denn ganau das war es was es in der Classic Serie bei Kirk gab. Natürlich kann man das nicht genaus so machen. Das würde heute niemand mehr abnehmen. Trotzdem ist Discovery in derselben Timeline angesiedelt und zehn Jahre vor Kirk moderner ausgerüstet wie die spätere USS Enterprise. Und nur weil wir jetzt schon Touchfelder usw haben, muss das nicht gleich auch in der neuen Serie so sein. Man siehe den neuen Blade Runner, da funktioniert das auch. Dann scheint es auf der Discovery einen Replikator zu geben, auch etwas was erst hundert Jahre später kommt. Aber in einem Punkt wurde die „alte Zeitlinie“ völlig ignoriert: Bei den Klingonen. Also … zum Zeitpunkt der Serie, wie auch später bei Kirk, sahen die Klingonen eigentlich wie Menschen aus. Und unbeachtet dessen, dass dies damals aufgrund niedrigem Budgets so entwickelt wurde, wurde in ENTERPRISE erklärt wieso dies so war – herumdocktern an den Genen. Doch hier wurde den Klingonen nicht einfach ihr richtiges Aussehen (das des 24. Jahrhundert) verpasst, sondern wurden sie komplett neu designt. Und das Ergebnis ist eine Katastrophe. Die Schauspieler können sich unter den schweren Masken kaum rühren, was zu Sprechbehinderungen und emotionslosen Gesichtern führt. Auch deren Kostüme und Schiffe, sowie Waffen wurden neu entwickelt. Die Szenen der Klingonen wirken einfach langweilig und zu lang. Dem störendem klingonisch mit Untertiteln zu folgen ist einfach nur lästig und wirkt fehl am Platz. Und wer kann schon klingonisch? Alles in allem will ich wieder die alten Klingonen sehen. Wunschdenken, daher kann ich nur hoffen das an diesen hier noch ordentlich gefeilt wird.

Mit der Discovery wurde dann in der dritten Folge auch endlich das titelgebende Schiff vorgestellt. Zwar das hässlichste Sternenflottenschiff aller Zeiten, aber immerhin. Natürlich mit Technologien vollgepackt die es nicht einmal auf der Enterprise E gibt. Wie zum Beispiel ein auf Sporen basierender Antrieb, der das Schiff im Sekundenbruchteil an einen beliebigen Ort in der Galaxis bringt. Dieser ist natürlich neben dem vorhandenen klassischen Warpantrieb neu und ein Experiment. Die Crew wirkt (noch) ein wenig orientierungslos und weniger wie ein Team. Jede/r versucht sein eigenes Ding zu machen, inkl des Captains – Gabriel Lorca. Aber wie bei jeder neuen Serie muss sich alles ersteinmal einspielen. Das gilt auch für die Darsteller. Etwas was bei allen anderen Star Trek Serien immer etwas gebraucht hat. Meine Hoffung ist, dass wir nicht nur den Rest des Schiffes zu sehen bekommen, sondern das wir auch die einzelnen Figuren der Hauptcrew kennenlernen. Und alle scheinen noch nicht aufgetaucht zu sein. Es gibt aber eine Figur die mich wirklich beeindruckt hat: Spocks Vater Sarek, der auch Ziehvater der Hauptfigur Michael Brunham ist. Also ist Spock dann ihr Halbbruder? James Frain spielt seine Rolle des Sarek nicht nur sehr gut, sondern Meisterhaft. Einzig und allein die gedankliche Kommunikation über viele Lichtjahre wirkt unglaubwürdig.

Optisch gesehen ähnelt die Erzählweise eher einem Alien Film als Star Trek. Überall gibt es düstere und schmutzige Gänge sowie Räume. Man hat öfter das Gefühl sich gleich erschrecken zu müssen. Naja dies alles kommt halt dabei raus wenn unter anderem alte Star Trek Größen wie Brian Fuller und Nicholas Meyer zusammen mit einem der teuersten Autoren Hollywoods – Akiva Goldsman und Alex Kurtzman der eher Filme wie Transformers macht, versuchen eine Star Trek Serie zu produzieren. Jeder hat seinen eigenen (Dick)Kopf. Man hole doch bitte Rick Berman zurück.

Noch ein paar Gedanken zur Titelmusik: Hier wurde zwar eine schöne Melodie komponiert, doch leider hat sie zu wenig Pep. Es fehlt in der Mitte ein Höhepunkt, der hier erst am Ende auftaucht, kurz, und wieder vorbei. Bisher gab es immer eine einfache aber großartige Melodie die ich schnell im Kopf behalten konnte. Hier ist dies leider nicht der Fall.

Wenn ich all diese Punkte aber einmal vergesse, dann ist Star Trek Discovery eine unterhaltsame Serie, der auch ich weiterhin folgen werde. Auch wenn ich ihr aktuell keine lange Zukunft voraussage, bin ich neugierig wie sie sich entwickelt. Potential für mehr hat sie definitiv. Die Serie steht gerade erst am Anfang, daher sollten wir ihr eine Chance und den Machern auch die Möglichkeit geben sie zu verbessern und zu entwickeln. Bitte versaut es nicht.

Ich bin Star Trek Fan und freue mich trotz all diesen negativen Punkten auf nächsten Montag auf die nächste Folge.

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