Post OP: Zwischen Schmerz und Freude

Lang ist es her das ich hier etwas gebloggt habe. Fünf Monate der depressiven Stille. Aber damit soll nun Schluss sein, denn mein Leben beginnt nun von neuem…

Eine Woche ist es her das ich nun endlich meinen großen Tag hatte. Meine geschlechtsangleichende Operation. Ich schreibe diese Zeilen auf meinem Krankenbett in der Chirurgischen Klinik München Bogenhausen, noch unter einigen Schmerzen.

Ich wusste vorher natürlich das dies kein Picknick wird. Das ist eine Operation nie. Da ich zuvor ausführlich aufgeklärt wurde und mich auch selbst viel mit dem Eingriff beschäftigt habe, hab ich mich auf eine höllische Zeit eingestellt. Der Tag der Einweisung war noch Pillepalle.  Viele Unterschriften und das Entleeren meines Darms. Aber am darauffolgen Tag war es nun soweit. Endlich. Gegen halb elf morgens wurde ich in meinem Zimmer von der Schwester abgeholt. Nervös? Ja. Angst? Etwas, aber…es musste halt sein. Darum…Augen zu und durch. Die Fahrt durch den nie zu enden wollenden Op Trakt war interessant. Dies alles einmal zu sehen, schließlich ist dies meine allererste Operation überhaupt gewesen. Der Op-Saal selbst war recht klein und sah auch nicht so beängstigend aus wie ich es aus dem Fernsehen her kannte. Die Narkoseärztin war sehr nett und hat mich auch nicht lang auf die Folter gespannt. Eine klitzekleine Unterhaltung und schon war ich im Land der Träume. Dies stimmt tatsächlich, da ich definitiv geträumt habe. Bis hier war es nicht so schlimm wie ich all die Monate vorher gedacht habe. Viele Menschen hier haben mir meine Angst genommen. Die Ärztinnen bei den Vorgesprächen, die Schwestern und meine Lebensgefährtin Rebecca, der ich am nächsten Tag unter Schmerzen am Krankenbett einen Heiratsantrag gemacht habe. Sie hat „Ja“ gesagt. Seit dem bin ich nicht nur sehr glücklich verlobt, sondern auch endlich vollständig eine Frau. Ich habe eine Vagina. Eine Neovagina um genau zu sein. Und das Ergebnis kann ich nicht beschreiben, so glücklich bin ich damit. Auch wenn dies aktuell noch nicht das Endergebnis ist. Zudem ist es natürlich noch dick geschwollen und mit 25 Metallklammern getackert, die während ich hier tippe höllisch weh tun. Aber da muss ich durch.

Rebecca war von Anfang an an meiner Seite, sie war tagtäglich für mich da und hat mir Kraft gegeben. So wie auch ich ihr Kraft geben werde, denn in fünf Wochen ist sie an der Reihe. Sie ist ein so wundervoller Mensch, ihre Zuneigung und ihre Liebe die spüre ich, auch ohne das sie es mir sagt. Ich weiß gar nicht was ich ohne sie gemacht hätte, was nicht nur die Op, sondern die ganzen sechseinhalb Monate angeht, die wir nun zusammen sind. Ich weiß wie sehr sie mich liebt, mich begehrt und ich bin mir zu einer Milliarde Prozent sicher das sie die Richtige für mich ist. Das sie diejenige ist mit der ich mein Leben teilen möchte. Bis ans Ende aller Tage.

Rebecca du fehlst mir so sehr, aber auch aus der Ferne kann ich deine Liebe spüren, genau wie deine Unterstützung mir diese schweren Tage leichter zu machen. Auch ein einfaches Telefonat hilft und bedeutet mir schon sehr viel. Danke. Jetzt sind es auch nur noch ein paar Tage bis ich entlassen werde und wir uns wiedersehen. Und genau dann werde ich dich an mich reißen und dich knutschen bis wir schrumpelige Lippen haben. Danach geht es dann zu McDonalds. Das Krankenhausessen ist okay, hab in Hotels schon schlechteres gehabt, aber es muss endlich wieder was vernünftiges her. Rebecca ich liebe dich von ganzem Herzen und ich bin glücklich und stolz dich als meine Verlobte nennen zu können. Wenn du bald endlich auch deinen großen Tag hast, dann werde ich dir beistehen und dir durch die schwere Zeit helfen. Danach hast auch du es geschafft und sobald wir beide wieder fit sind und „da unten“ alles gut geheilt ist, dann… naja das kannst du dir bestimmt denken. Auf ein glückliches gemeinsames Leben.

Es gibt noch ein paar Menschen denen ich hier ganz doll danken möchte. All denen die in der Klinik für mich da sind und waren. Wenn ich im Internet in Foren schaue, heißt es immer nur Dr Liedl, der Chefarzt der Urologie hier. Aber wer nie genannt wird ist das große Team das hinter ihm steht. Und es ist egal welche Stellung sie haben. Ob Putzfrau, Schwester, Assistenzärzte oder Oberärzte…sie alle haben sich um mich gekümmert, mir meinen Aufenthalt hier so angenehm wie möglich gemacht und bei nächtlichen Komplikationen erfolgreich ihr Bestes gegeben. Egal wieviel Stress sonst noch anlag. Ich kann mich hier über absolut nichts beschweren, im Gegenteil, für die Chirurgische Klinik in München Bogenhausen hab ich nur Lob übrig. Beste Fürsorge und Kompetenz. Ganz speziell möchte ich auch Frau Dr Martina Riegel danken, die mich operiert hat und mir ein großes Leid genommen hat. Sie hat mir mein „richtiges“ Geschlechtsorgan gegeben und mir den Weg in ein neues Leben geebnet. Es gibt kein „Dankeschön“ das dafür angemessen genug wäre.

Ohne jegliche Bedenken kann ich dich, Rebecca, bald in deren Hände geben. Dann bekommst auch du dieses „große Geschenk“.

Danke das es dich gibt mein Schatz, mein Engel, meine Verlobte :*

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Ein Gedanke zu “Post OP: Zwischen Schmerz und Freude

  1. Caroline schreibt:

    Danke für Deinen Kommentar an anderer Stelle.

    Und Herzlichen Glückwunsch zur OP. Und zur Verlobung.:)
    Was Du hier über die Klinik schreibst möchte ich auch noch mal unterstreichen. Hatte mine OP dort am 18.05. und kann auch nur positives berichten. Alle dort waren immer großartig. 🙂
    Man kann nicht in besseren Händen sein.

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